„Brif, bruf, braf.“

von Holger Büchting (Kommentare: 0)

In einem Hof spielten zwei Kinder ein lustiges Spiel. Sie dachten sich eine ganz besondere Sprache aus, in der sie miteinander reden konnten, ohne dass andere Leute eine Silbe davon verstanden. „Brif, braf“, sagte der Erste. „Braf, brof“, antwortete der Zweite. Und dann lachten beide ganz toll.

Im oberen Stockwerk des Hauses saß ein alter Herr auf dem Balkon und las seine Zeitung. Im Haus gegenüber lehnte eine alte Frau zum Fenster hinaus, die weder gut noch schlecht war. „Was sind das nur für dumme Kinder, die zwei da unten.“ sagte die Frau. Aber der alte Herr war nicht Ihrer Meinung: „Das finde ich nicht.“ „Sagen Sie nur nicht, dass Sie verstanden hätten, was sie eben gesagt haben.“ „Doch ich habe alles verstanden. Der Erste sagte: -Was für ein herrlicher Tag heute.- Und  der Zweite antwortete: -Morgen wird’s noch viel schöner.- Die alte Frau rümpfte die Nase, schwieg aber still, weil die Kinder unten im Hof wieder angefangen hatten, sich in Ihrer Geheimsprache zu unterhalten.

„Maraschi, barabaschi, pfiffirimaschi“ sagte der Erste; „bruf“ antwortete der Zweite. Und wieder brach ein tolles Gelächter los.

„Wollen Sie das auch verstanden haben?“, rief die alte Frau erbost ihrem Nachbarn zu. „Sicher“ antwortete der alte Herr lächelnd: „Der Erste hat gesagt: -Wie sind wir doch froh, dass  wir auf der Welt sind!- Und der Zweite hat ihm geantwortet: -Die Welt ist ganz wunderbar!- „Aber ist sie wirklich wunderbar, die Welt?“ bohrte die alte Frau weiter. „Brif, bruf, braf, antwortete der alte Herr.

(Frei nach Gianni Rodari)

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